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Was auf der Leinwand erscheint, verbirgt für gewöhnlich seine eigene Entstehung. Als Publikum sehen wir nur das Ergebnis, nicht aber die Stunden am Set, die Wiederholungen, das Warten oder die Anweisungen ausserhalb des Bildausschnitts. In We Make Cinema steht für einmal nicht der fertige Film im Zentrum, sondern das, was sich abseits der Leinwand abspielt. Das ist mal hart, mal herzlich, oft lustig und manchmal auch einfach zum Verlieben.
Action! Arne Körner / Deutschland 2022 / 1'7" / Farbe / Deutsch / Doc/Clip
Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Klappenschläger und seine Filmklappe. Eine Sinfonie.
Die Ruhe bleibt Stefan Kriekhaus / Deutschland/Deutschland 2013 / 14'34" / Farbe / Fic
Tommys erster Filmjob. Er wollte nah dran sein am Set, alles mitkriegen. Aber warum steht er jetzt mit einer Warnweste auf einer Landstrasse irgendwo im Nichts, in einem Land, dessen Sprache er nicht mal spricht?
8 Jahre. 12 Jahre. 15 Jahre. Ein Körper, der vor der Kamera heranwächst, in Empfindungen und Gefühlen schwelgt, seine Grenzen und Schattenseiten erkundet. Ein Körper, der sich im Laufe der Jahre der Figur unterwirft und so das, was wie ein (Kinder-)Spiel erscheinen könnte, zu einer wahren Schauspielleistung macht. Das Porträt eines Jugendlichen, der sich durch die Kamera entwickelt hat.
Zwei Tontechniker arbeiten an einem Film und gelangen zu einer Einsicht: So wie die thailändische Regierung nie auf die Stimmen der Bevölkerung hört, ist es auch dem Publikum völlig egal, wie viel Mühe sie sich mit dem Ton gegeben haben.
Ein experimentelles Porträt einer als Lichtdouble tätigen Frau, deren Arbeit und körperliche Präsenz in Filmen zu sehen sind, auch wenn ihr Name nicht genannt wird. Durch die gezielte Verwischung der (teils feinen) Unterschiede zwischen Performance und Schauspiel, einer berühmten Hollywood-Schauspielerin und ihrem Double, den Erwartungen des Publikums und der Magie des Kinos gewährt dieses Video einen Blick hinter die Kulissen.
Montsouris Guil Sela / Frankreich 2024 / 13'53" / Farbe / Französisch / Fic
An einem schönen Herbsttag im Montsouris-Park halten Jacques und Nathan Ausschau nach interessanten Menschen für ihren Dokumentarfilm. Dabei stossen sie auf Pierre und Martin, zwei komische Vögel, die schon bald einen unerwarteten Moment erleben.
Es gibt Filme, die uns eine Geschichte erzählen, und es gibt Filme, die davon erzählen, wie Geschichten überhaupt erzählt werden. Das sogenannte Metakino hat das Kino selbst zum Gegenstand: das Filmemachen und seine Apparatur, das Schauen und Gesehenwerden, das Wahrnehmen und das Denken in bewegten Bildern. Diese Filme richten die Kamera auf das, was wir sonst übersehen, weil wir mittendrin sitzen – im Dunkeln, gebannt auf die Leinwand starrend, längst Teil des Spiels. Metafilme zeigen die Nähte, die Tricks, die Apparate. Und anstatt das Medium zu entzaubern, ziehen sie uns damit erst recht in ihren Bann.
Deshalb haben wir das Metakino zum 30. Jubiläum der Internationalen Kurzfilmtage Winterthur als Thema gewählt. In dreissig Festivalausgaben haben die Kurzfilmtage bereits Filme gezeigt, verteidigt, vermittelt und geliebt – und so liegt es nahe, den Fokus auf das Medium selbst zu richten. For the Love of Cinema ist nicht mehr und nicht weniger als eine Liebeserklärung an den Film. Keine nostalgische, sondern eine neugierige. Denn das Kino zu lieben, heisst auch, es verstehen zu wollen – seine Mechanik, seine Macht über unsere Gefühle, seinen Einfluss auf unsere Sicht der Welt. Wir haben Kurzfilme versammelt, die genau diese Liebe teilen und sie ins Bild setzen: mal augenzwinkernd, mal melancholisch, mal radikal forschend.
Kino zu lieben, heisst zudem auch, von ihm lernen zu wollen. Deswegen ist dieser Fokus entlang einer Idee strukturiert, die vom Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi geprägt wurde. Er hat das Lernen als Zusammenspiel von Hand, Herz und Kopf gedacht – als ganzheitliche Bildung, die das Tun, Fühlen und Erkennen verbindet. Dieser Dreiklang lässt sich gut auf das Kino übertragen. Denn auch ein Film entsteht durch die Hand, die ihn macht, wirkt über das Herz, das er berührt, und formt den Kopf, mit dem wir die Welt deuten. Aus dieser Dreiteilung sind unsere drei Programme entstanden: We Make Cinema, We Feel Cinema und We Think Cinema.
Am Anfang steht die Arbeit. Ein Film ist immer auch Handwerk – geprobt, auf dem Set gedreht, geschnitten, vertont, und getragen von Menschen, die man auf der Leinwand selten sieht, weil sie nicht vor der Kamera stehen. Es sind Filme über das Machen: über Geduld, Können und die vielen Hände, ohne die kein Bild entsteht.
Filme bleiben nicht auf der Leinwand. Sie ziehen ein in unsere Erinnerung, mischen sich unter unsere eigenen Bilder und werden Teil von uns – gerade weil die (westliche) Filmkultur weltweit so prägend und populär ist und so tief in unsere Gesellschaft hineinwirkt. Das zweite Programm widmet sich diesem emotionalen Nachhall. Hier geht es um das, was Filme mit uns anstellen – und was wir durch sie in uns tragen, lange nachdem das Licht wieder angegangen ist.
Wie wir über die Wirklichkeit denken – und wie wir überhaupt in Bildern denken – hängt davon ab, wie diese Bilder gemacht, gerahmt und behauptet werden. Das dritte Programm basiert auf dem tief im westlichen Denken verwurzelten Konzept «Sehen ist Glauben» und definiert das Kino an sich als Denkschule. Diese Filme erinnern daran, dass jedes Bild eine Behauptung ist – und dass Sehen immer auch Denken heisst.
Wir wünschen uns, dass der Funke überspringt – für die Lust am Machen, Mitfühlen und Mitdenken. For the Love of Cinema.
John Canciani und Laura Walde
We Make Cinema
Was auf der Leinwand erscheint, verbirgt für gewöhnlich seine eigene Entstehung. Als Publikum sehen wir nur das Ergebnis, nicht aber die Stunden am Set, die Wiederholungen, das Warten, die Absprachen und Anweisungen ausserhalb des Bildausschnitts. In We Make Cinema steht nicht das fertige Bild im Zentrum, sondern das, was sich abseits der Leinwand abspielt. Hier machen Filmschaffende den Prozess selbst zum Thema: Sich beim Machen zuschauen, das Handwerk offenlegen und fragen, was es überhaupt bedeutet, Bilder herzustellen.
Am Anfang steht das Wort, das alles in Gang setzt: «Action!» Arne Körners zweiminütiger Programmauftakt verdichtet den Rausch des Drehbeginns – Adrenalin, Anspannung, der Sprung ins Ungewisse – und führt mitten in die Werkstatt Kino. Was darauf folgt, ist die andere Seite dieses Rauschs: «Die Ruhe bleibt» von Stefan Kriekhaus rückt das Warten, das Aufbauen, die Konzentration ins Bild – jene stillen, oft unsichtbaren Stunden, aus denen ein Dreh in Wahrheit besteht. Wie lang das Machen dauern kann, zeigt Ursula Meier eindrücklich: In «Kacey Mottet Klein, Birth of an Actor» begleitet sie ihren jungen Protagonisten über Jahre und macht sichtbar, wie aus einem Kinderdarsteller allmählich ein gestandener Schauspieler wird – Filmemachen hier als Reifeprozess, der sich nicht erzwingen, nur begleiten lässt. Von der Arbeit vor der Kamera wandert der Blick dahinter, zu jenen, die man nie sieht und nur hört, wenn man sich auch Mühe gibt: Sorayos Prapapans «Death of the Sound Man» folgt zwei Tontechnikern bei ihrem nur scheinbar unscheinbaren Handwerk und schmuggelt dabei eine listige Satire auf die thailändische Filmindustrie ins Bild, in der Idealismus und Repression aufeinanderprallen.
Jesse McLean porträtiert in «I'm in Pittsburgh and It's Raining» ein Body-Double – einen Menschen also, dessen Arbeit und körperliche Präsenz in Filmen zu sehen ist, der aber namen- und gesichtslos bleibt. Ihr Essayfilm lässt uns darüber nachdenken, welche Wehmut im Produzieren von Bildern steckt und wie viel Verlust im ständigen Festhalten liegt. Den Schluss macht Guil Selas «Montsouris»: Eine Komödie, in der zwischen hohem künstlerischem Anspruch und totalem Chaos das Filmemachen selbst zur Pointe wird. «Par amour du cinéma» – auf Englisch «For the Love of Cinema» – steht als letzter Satz im Abspann des Films. Wir haben dies als Motto für den gesamten Fokus genommen. Sela lässt seine Figuren scheitern, improvisieren, weitermachen – und erinnert uns mit einem Augenzwinkern daran, dass all die Mühe, all das Warten, Planen und Neuanfangen letztlich aus Liebe geschehen.
Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur sind das bedeutendste Kurzfilmfestival der Schweiz. Jeden November verwandeln wir die Stadt Winterthur für sechs Tage in eine Kurzfilmmetropole.
An den Kurzfilmtagen gibt es für alle etwas zu entdecken: Wir zeigen sorgfältig zusammengestellte Kurzfilmprogramme zu aktuellen Geschehnissen oder zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen. Die Wettbewerbsblöcke fühlen den Puls des aktuellen, weltweiten Filmschaffens und die Installationen, Performances und weiteren Specials machen audiovisuelle Formen in ihrer ganzen Vielfalt erlebbar. Ein Rahmenprogramm mit Konzerten, Lesungen und mehr erweitert das Festivalerlebnis.
Das Programm der 30. Kurzfilmtage wird am 14. Oktober 2026 veröffentlicht.
Aktuelle Kurzfilme aus der ganzen Welt. Am Sonntagabend werden die vielversprechendsten Kurzfilme ausgezeichnet.
Hors Concours
Aktuelle Kurzfilme aus Zürich, der Schweiz und der Welt, die ausserhalb unserer Wettbewerbe laufen.
Fokus
Filmische Einblicke in eine Region, ein soziales Phänomen oder einen künstlerischen Trend.
Person im Fokus
Das künstlerische Wirken einer filmschaffenden Person wird ins Rampenlicht gestellt.
Spezialprogramme
Kurzfilmprogramme zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen – oder einfach Spass machen.
Familienprogramme
Kurzfilmgenuss für das junge Kinopublikum ab 6 Jahren und die ganze Familie.
Rahmenprogramm
Konzerte, Partys, Lesungen und zahlreiche weitere Events bieten Gelegenheit zur Vernetzung und erweitern das Festivalerlebnis.
Talks & Podien
Moderierte Talks und Panels, die nach der Vorstellung vertieften Einblick ins Filmschaffen oder in die Thematik geben.
Industry Events
Eine breite Palette an Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für die Filmbranche sowie Möglichkeiten zur Vernetzung.
Der Kurzfilm
Der Kurzfilm ist nicht einfach ein kürzerer Film. Er ist eine eigene Kunstform, die wir mit unserem Festival jährlich in den Fokus stellen.
Der Kurzfilm erscheint in allen Genres und kann unterschiedlich lang – oder eben kurz – sein. Einfachere Produktionswege machen es ihm möglich, den Zeitgeist und Strömungen rasch einzufangen und abzubilden. Der kurze Film kann unterhalten, überraschen, die Gesellschaft analysieren, eine politische Haltung einnehmen oder Einblick in uns fremde Welten geben.
Wir bündeln unsere Kurzfilme in thematischen Programmen oder nach bestimmten Sektionen, wie z.B. unsere Wettbewerbe, und stimmen die Filme und Reihenfolge aufeinander ab. Für den Kurzfilmgenuss gibt es somit nur eine Voraussetzung: die Neugierde, Neues zu entdecken und sich überraschen zu lassen.