Hier präsentieren wir Kurzfilmprogramme zu verschiedenen Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen oder die einfach Spass machen.
Von historischen Kurzfilmen, die zu gesellschaftlichem Zusammenhalt aufrufen oder unseren Umgang mit Erinnerung thematisieren, über Perspektiven auf Weiblichkeit bis hin zu Kurzfilmen, die Cringe in verschiedensten Formen erlebbar machen: Unsere Spezialprogramme halten einige Entdeckungen bereit.
Geistige Landesverteidigung:
Schweiz in Gefahr?Die Geistige Landesverteidigung war eine der prägendsten kulturpolitischen Bewegungen der Schweiz im 20. Jahrhundert. Ab 1933 gewann sie – ausgelöst durch die nationalsozialistische Machtübernahme in Deutschland – zunehmend an Bedeutung und erhielt 1938 mit der Kulturbotschaft von Bundesrat Philipp Etter ihre programmatische Ausformulierung. Es entstand eine breite, parteiübergreifende Bewegung zur Stärkung des «Schweizerischen», getragen von Presse, Kulturschaffenden, Armee und zahlreichen Institutionen.
Auch das Filmschaffen trug zur Bewegung bei, etwa mit Spielfilmen wie «Füsilier Wipf» (Leopold Lindtberg, Hermann Haller, 1938) oder «Gilberte de Courgenay» (Franz Schnyder, 1941). Diese Filme betonen den gesellschaftlichen Zusammenhalt, idealisieren die Vergangenheit und das Selbstbild der Schweiz als humanitäre Insel und zeichnen ein von ländlichen und alpinen Motiven geprägtes Bild des Landes.
Die Kurzfilme in diesem Programm sind heute weniger bekannt, waren jedoch ebenfalls Teil der Geistigen Landesverteidigung in den Jahren vor und während des Zweiten Weltkriegs – sei es, indem sie nationale Geschichtsmythen pflegten, sei es, indem sie vor autoritären Herrschaftsformen warnten.
Emanuel Signer & Seraina Winzeler