Die Geistige Landesverteidigung war eine der prägendsten kulturpolitischen Bewegungen der Schweiz im 20. Jahrhundert. Mit Spielfilmen wie «Gilberte de Courgenay» (Franz Schnyder, 1941) trug auch das Filmschaffen zur Stärkung des «Schweizerischen» bei. Die Kurzfilme in diesem Programm sind heute weniger bekannt, doch sie festigten ebenfalls die Leitbilder der Geistigen Landesverteidigung, indem sie nationale Geschichtsmythen pflegten, humanitäre Traditionen betonten oder vor autoritären Herrschaftsformen warnten.

Demokratie in Gefahr
Kurt Früh / Schweiz 1949 / 13'59" / DCP / Schwarz-Weiss / Deutsch / Fic
Jakob Rüegg (Schaggi Streuli) wacht in einem Albtraum in einer Diktatur auf. Seine Freiheiten sind stark eingeschränkt: Es gibt nur eine Partei, die Medien sind zensiert, und die Bürger:innen leben in ständiger Angst vor Überwachung und Denunziation. Der Film wurde vom Eidgenössischen Departement des Innern und von Stadt und Kanton Zürich in Auftrag gegeben, um die Bevölkerung vor den Gefahren totalitärer Regimes zu warnen und die Werte der Demokratie zu fördern. Leider wieder aktuell.

Scènes de notre histoire
Charles Blanc-Gatti / Schweiz 1940 / 4'28" / Farbe / Deutsch / Ani/Doc
Im Auftrag der Schweizerischen Nationalspende und des Roten Kreuzes wirbt «Scènes de notre histoire» um finanzielle Unterstützung für Soldaten und deren Familien. Mit dem Rückgriff auf nationale Gründungsmythen beschwört der kurze Animationsfilm die Wehrfähigkeit der Schweiz und den nationalen Zusammenhalt: «Unsere Losung: Einer für alle, alle für einen».

Auch Fabriken wollen essen
Julius Pinschewer / Schweiz 1941 / 4'44" / Schwarz-Weiss / Deutsch / Ani/Doc
«Sammelt Papier! Metalle! Lumpen! Tuben!» Während die hier auf kindliche Weise vermenschlichten Fabriken zu Friedenszeiten fleissig gefüttert werden, wird nach dem Kriegsausbruch die Wirtschaft umgestellt. Der Film entstand im Auftrag der Sektion Altstoffwirtschaft des Kriegs-Industrie- und Arbeitsamtes. Er wirbt für die Sammlung und Wiederverwertung von Abfällen, um diese als neue Rohstoffe zu nutzen.

Flüchtlinge in der Schweiz
Victor Borel / Schweiz 1947 / 47'41" / Schwarz-Weiss / Deutsch / Doc
Mit Leopold Lindtbergs Klassiker «Die letzte Chance» produzierte die Praesens-Film 1945 einen international erfolgreichen Spielfilm über den beschwerlichen Weg geflüchteter Menschen in die Schweiz. Nur zwei Jahre später entstand der weniger bekannte Dokumentarfilm «Flüchtlinge in der Schweiz», der dank einer 2024 vollendeten Restaurierung neu zugänglich ist. Der Film blickt zurück auf die Ankunft, Unterbringung und wirtschaftliche Integration von geflüchteten Personen seit 1933. Dabei porträtiert er die Schweiz als Zufluchtsort während des Zweiten Weltkriegs und beschwört ihre weit zurückreichende humanitäre Tradition. Unerwähnt bleibt, dass auch zahlreiche Menschen an der Schweizer Grenze zurückgewiesen wurden.