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Dieses Programm führt durch eine Welt, in der Erinnerungen weiterleben, Geschichten wandern und Wirklichkeit auf Mythos trifft. Zwischen persönlichen Schicksalen und kollektiven Erfahrungen entfalten sich eindringliche Erzählungen über Verlust, Zugehörigkeit und die Spuren, die Menschen hinterlassen. Poetische Bilder und geheimnisvolle Atmosphären verbinden Vergangenheit, Gegenwart und Legende zu einem vielschichtigen Panorama Irans.
Warum solltest du Angst haben? Wer mit der Macht des Meeres spielt, tut dies, um der Angst näherzukommen. Die Geschichte einer Familie, die Angst und Zerstörung liebt. Angst ist das ehrlichste Gefühl und erinnert uns an Leere und Armut.
Dieses poetische Werk begleitet ein Filmemacherpaar auf der Insel Hormuz während des Monats Muharram, in dem schiitische Muslime eine Trauerzeit zum Gedenken an den Tod von Imam Hossein einhalten, einer religiösen Persönlichkeit, die später imperiale Projekte der Safawiden inspirierte. Das Paar geht verschiedenen Mikrogeschichten über vermisste Seeleute nach und rückt okkulte Seiten portugiesischer Kolonialmythen ins Zentrum, die sich auf die legendäre eisenreiche, essbare rote Erde der Insel beziehen.
Der Winter ist über ein Bergdorf im Norden Irans eingebrochen. Mit dem Schnee kehrt Ehsans Bruder aus dem Krankenhaus zurück. Sein Zustand ist ernst. Während die geheimnisvolle Erscheinung eines Hirsches im nahen Wald im Dorf für Verwunderung sorgt, wächst Ehsans Angst um seinen Bruder. Eine uralte Legende erzählt von einem Todesengel in wechselnder Gestalt. Als der Hirsch eines Nachts am Fenster erscheint, zieht Ehsan los, seinen Bruder zu retten.
I Am Trying to Remember Pegah Ahangarani / Iran/Tschechien 2021 / 15'33" / DCP / Farbe / Farsi / Doc
Ich fragte: «Warum haben sie dich ausgelöscht?» Er sagte: «Vielleicht haben sie Angst.» Ich sagte: «Wer Angst hat, sollte sich selbst auslöschen.» Er sagte: «In dem Fall wären die Gesichter der Lebenden alle verschwunden, und nur die Toten würden übrig bleiben.»
City of Poets Sara Rajaei / Niederlande 2024 / 21'22" / Farbe & Schwarz-Weiss / Englisch/Farsi / Doc
In einer semi-utopischen Kleinstadt sind alle Strassen nach Dichtern benannt. Als ein Krieg ausbricht, entstehen neue Quartiere, um die Flüchtlinge unterzubringen. Die Strassen werden nach gefallenen Soldaten umbenannt. Bald schon verlieren sich die Bewohner:innen in den Erinnerungen an die vergessenen Poeten.
Bilder setzen einen Rahmen. Sie bestimmen, was sichtbar wird und was ausserhalb des Blickfeldes bleibt. Das gilt für Nachrichten ebenso wie für das Kino. Welche Perspektiven auf Iran gerahmt und welche Geschichten erzählt werden, was sichtbar wird, ist von historischen und politischen Kontexten abhängig.
Iran ist von tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt. In einem Jahrhundert hat das Land zwei Revolutionen erlebt: die Konstitutionelle Revolution von 1905/06 und die Islamische Revolution von 1979. Die Selbstermächtigung gesellschaftlicher Gruppen ist dabei ebenso prägend wie die wiederholte Einflussnahme durch imperiale und ideologische Kräfte. Die politische Lage des Landes und der Blick auf Iran haben sowohl das einheimische als auch das diasporische Filmschaffen nachhaltig geprägt.
Spätestens seit dem Frühjahr 2026 richtet sich der Blick der Welt erneut verstärkt auf Iran, während der Krieg das Land existenziell erschüttert. Das diesjährige Fokus-Programm Shifting Grounds – Framing Iran nimmt dies zum Anlass, eurozentrische Vorstellungen des Landes zu hinterfragen und den Blick für die Vielschichtigkeit von Irans Kino und Gesellschaft zu schärfen – eine Vielschichtigkeit, die sich einfachen Erklärungen entzieht.
Der Fokus auf iranisches Kino ist aus der Zusammenarbeit zwischen zwei Nicht-Iraner:innen und einer Iranerin entstanden. Dabei wird «iranisches Kino» nicht als feste Kategorie verstanden, sondern als eine Perspektive, die durch unterschiedliche Zuschreibungen, Kontexte und Erfahrungen geprägt ist. Fragen nach Produktionsbedingungen, Diaspora und nationaler Zugehörigkeit treffen auf die Auseinandersetzung mit westlichen Sehgewohnheiten und Erzählmustern. Was als iranisches Kino wahrgenommen wird, entsteht im Zusammenspiel von Festivalpraxis, Publikumserwartungen und filmischer Selbstrepräsentation. Diese unterschiedlichen Perspektiven und ihre Verflechtungen bilden den Ausgangspunkt der gemeinsamen Kuration.
Sechs Programme versammeln historische und zeitgenössische Arbeiten, die in Iran und der Diaspora entstanden sind, und verbinden unterschiedliche dokumentarische, fiktionale und experimentelle Formen. Sie führen von den Bildwelten des Öls zu Fragen von Identität und Selbstbestimmung jenseits gesellschaftlicher Normen, von Mythos und Wirklichkeit bis zu unterschiedlichen Formen des Widerstands. Ergänzt werden sie durch Werke der unabhängigen Filmbewegung Cinema-ye Azad aus den 1970er Jahren. Viele der Filme bewegen sich dabei zwischen Innen und Aussen – zwischen Landesgrenzen, realen Mauern und fiktiven Räumen ebenso wie den unsichtbaren Grenzen in den Köpfen der Menschen.
Nicht das Land selbst steht im Zentrum dieses Fokus, sondern die Frage, wie Iran gesehen, erzählt und imaginiert wird – und wie das Kino dazu beitragen kann, diese Bilder immer wieder neu zu rahmen.
Vincent Förster, Lynn Gerlach, Afsun Moshiry
No Faith in Ghosts
Zwischen Erinnerung und Fantasiegebilde versammelt dieses Programm Stimmen und Bilder aus Iran, die sich der Auslöschung widersetzen.
Fiktionale und dokumentarische Werke führen von der Küste bis ins Hochgebirge. Sie berichten von Handwerk und Traditionen, die Generationen miteinander verbinden, und verweben persönliche Erinnerungen mit kollektiven Erzählungen, Poesie und Kunst mit Mythen und Geistergeschichten. Legenden begleiten durch Höhen und Tiefen, während die Natur zum Resonanzraum für Sehnsüchte, Hoffnungen und Beharrlichkeit wird. Die Frage, was real ist und was nur in unseren Köpfen existiert, zieht sich dabei durch das gesamte Programm.
«Translation of Ebb» und «Perturbation» beschreiben die tiefe Verbundenheit mit dem Meer und öffnen den Blick auf die Strasse von Hormuz als jahrhundertealten Kulturraum, dessen Relevanz weit über seine heutige geopolitische Bedeutung hinausreicht. «Deer» führt in stille Bergwelten, wo Fürsorge, Mut und Geschwisterliebe den Alltag prägen.
Vergilbte Fotoalben und Familienarchive bewahren Erinnerungen und machen zugleich ihre Fragilität sichtbar. «I Am Trying to Remember» begleitet den Versuch der Regisseurin, ihren Kindheitserinnerungen zu trauen, bevor diese gänzlich verblassen, während «City of Poets» als Parabel auf eine Gesellschaft dient, die sich zunehmend von ihren kulturellen Wurzeln entfernt und staatlicher Kontrolle unterwirft.
Die hier vereinten Geschichten zeugen von der Kraft des Erzählens, dem Vergessen zu trotzen.
Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur sind das bedeutendste Kurzfilmfestival der Schweiz. Jeden November verwandeln wir die Stadt Winterthur für sechs Tage in eine Kurzfilmmetropole.
An den Kurzfilmtagen gibt es für alle etwas zu entdecken: Wir zeigen sorgfältig zusammengestellte Kurzfilmprogramme zu aktuellen Geschehnissen oder zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen. Die Wettbewerbsblöcke fühlen den Puls des aktuellen, weltweiten Filmschaffens und die Installationen, Performances und weiteren Specials machen audiovisuelle Formen in ihrer ganzen Vielfalt erlebbar. Ein Rahmenprogramm mit Konzerten, Lesungen und mehr erweitert das Festivalerlebnis.
Das Programm der 30. Kurzfilmtage wird am 14. Oktober 2026 veröffentlicht.
Aktuelle Kurzfilme aus der ganzen Welt. Am Sonntagabend werden die vielversprechendsten Kurzfilme ausgezeichnet.
Hors Concours
Aktuelle Kurzfilme aus Zürich, der Schweiz und der Welt, die ausserhalb unserer Wettbewerbe laufen.
Fokus
Filmische Einblicke in eine Region, ein soziales Phänomen oder einen künstlerischen Trend.
Person im Fokus
Das künstlerische Wirken einer filmschaffenden Person wird ins Rampenlicht gestellt.
Spezialprogramme
Kurzfilmprogramme zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen – oder einfach Spass machen.
Familienprogramme
Kurzfilmgenuss für das junge Kinopublikum ab 6 Jahren und die ganze Familie.
Rahmenprogramm
Konzerte, Partys, Lesungen und zahlreiche weitere Events bieten Gelegenheit zur Vernetzung und erweitern das Festivalerlebnis.
Talks & Podien
Moderierte Talks und Panels, die nach der Vorstellung vertieften Einblick ins Filmschaffen oder in die Thematik geben.
Industry Events
Eine breite Palette an Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für die Filmbranche sowie Möglichkeiten zur Vernetzung.
Der Kurzfilm
Der Kurzfilm ist nicht einfach ein kürzerer Film. Er ist eine eigene Kunstform, die wir mit unserem Festival jährlich in den Fokus stellen.
Der Kurzfilm erscheint in allen Genres und kann unterschiedlich lang – oder eben kurz – sein. Einfachere Produktionswege machen es ihm möglich, den Zeitgeist und Strömungen rasch einzufangen und abzubilden. Der kurze Film kann unterhalten, überraschen, die Gesellschaft analysieren, eine politische Haltung einnehmen oder Einblick in uns fremde Welten geben.
Wir bündeln unsere Kurzfilme in thematischen Programmen oder nach bestimmten Sektionen, wie z.B. unsere Wettbewerbe, und stimmen die Filme und Reihenfolge aufeinander ab. Für den Kurzfilmgenuss gibt es somit nur eine Voraussetzung: die Neugierde, Neues zu entdecken und sich überraschen zu lassen.