In Zeiten wie diesen lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit. Das Programm untersucht den filmischen Umgang mit autoritären Regimen und Faschismus aus verschiedenen Perspektiven: Vom Porträt eines stolzen Uniformierten bis zu einem Film, der schon Goebbels in Rage versetzte. Bilder dienen seit jeher als Instrument, um Geschichte zu schreiben. Wichtig bleibt, zweimal hinzuschauen.

Schichlegruber Doing the Lambeth Walk
Charles A. Ridley / Grossbritannien 1942 / 2'18" / Schwarz-Weiss / ohne Dialog / Exp
Ein kurzer Clip aus Leni Riefenstahls Propagandafilm «Triumph des Willens» genügt dem Mitarbeiter des britischen Informationsministeriums Charles A. Ridley, um mittels Montage eine treffende Parodie des Nationalsozialismus zu gestalten. 1942 brachten diese drei Minuten Goebbels vor Wut zum Kochen.

Hell Unlimited
Helen Biggar/Norman McLaren / Grossbritannien 1936 / 14'25" / Schwarz-Weiss / ohne Dialog / Ani/Exp
Norman McLaren war Co-Regisseur bei diesem Film mit pazifistischer Thematik, während er in London lebte. Marionetten, animierte Sequenzen, Karten und Realaufnahmen verschmelzen in «Hell Unlimited», der für die Verwendung durch Friedensorganisationen konzipiert wurde.

20/68 Schatzi
Kurt Kren / Österreich 1968 / 2'29" / Schwarz-Weiss / ohne Dialog / Exp
Die Historizität des Standbildes beinhaltet eine politische Dimension. In «20/68 » Schatzi filmt Kren ein Photo ab, das einen SS-Offizier auf einem Platz stehend zeigt, der mit Leichen übersäht ist. Positiv und Negativ werden überlagert, sodass zunächst nur abstrakte, schwammige Flächen sichtbar sind, aus denen sich erst nach und nach das Bild kristallisiert. Kren zeichnet hier einen Erkenntnisprozess über die schrittweise Enthüllung einer unerträglichen Tatsache nach, die das Bild als Inschrift des Realen zeigt. Dann zerfällt das Bild wieder in seine Positiva und Negativa, macht klar, dass es «nur» ein Photo ist, das dem gezeigten Ereignis nicht mehr gerecht werden kann. Über die Animation des Photos kommt Kren vom Sehen zum Denken.

Porträt einer Bewährung
Alexander Kluge / Deutschland 1964 / 11'50" / Schwarz-Weiss / Deutsch / Doc
Ein ehemaliger Polizeibeamter, der treu unter sechs verschiedenen deutschen Regierungen gedient hat, beklagt die Tatsache, dass er aufgrund einer Meinungsverschiedenheit mit einem Vorgesetzten in den Vorruhestand gezwungen wurde.

Ein drittes Reich
Alfred Kaiser / Österreich 1975 / 27'17" / Deutsch / Doc
«Ein drittes Reich» ist ein Kompilationsfilm, der anhand von Archivmaterial aus den 1930er und 40er Jahren das Bild eines Landes unter totalitärer Herrschaft zeichnet. Anhand dieser vom Regime produzierten Auszüge analysiert Alfred Kaiser die Formulierungen und die Rhetorik der nationalsozialistischen Propaganda durch eine anschauliche Bearbeitung.

Europa
Franciszka Themerson/Stefan Themerson / Polen 1931 / 12' / Schwarz-Weiss / Polnisch / Doc/Exp
Basierend auf Anatol Sterns gleichnamigem modernistischem Gedicht und einem erstaunlich vorausschauenden Aufschrei gegen den Aufstieg des Faschismus in Europa verwendet «Europa» eine eindrückliche Bandbreite an Techniken, um den Horror und den moralischen Niedergang zu artikulieren, den die Künstler in Polen im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs erlebten.

Black and White
Klub Zwei / Österreich/Grossbritannien 2003 / 5' / Schwarz-Weiss / Deutsch / Exp/Doc
«Schwarz auf Weiss» befasst sich mit der Bedeutung von Dokumentarfotos für die Erinnerung an den Holocaust. Welche Rolle spielen diese Bilder? Wie wurden sie 1945 gezeigt? In welche Kontexte werden sie heute eingeordnet? Und welche Verantwortung tragen wir beim Betrachten dieser Bilder? Der Film geht diesen Fragen mittels Montage. Das Video stellt ein Interview mit Rosemarie Nief, Leiterin des Fotoarchivs der Wiener Holocaust Library in London, Passagen aus einem Text von Clément Chéroux aus dem in Paris erschienenen Buch «Mémoire des Camps» gegenüber.