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Was passiert, wenn Zukunftsträume Teil der Gegenwart werden? «For Here Am I Sitting in a Tin Can Far Above the World» und «Like Moths to Light» beschäftigen sich mit Kryonik, Kryptowährungen und Technologien, die versprechen, unsere Träume zu kontrollieren. Ausgehend von diesen spekulativen Visionen geht das Programm in eine Live-Performance über, die mit Hernández López’ neuem Projekt «The Possibility of an Island» verbunden ist. Die Reise zwischen Science-Fiction, technologischen Versprechen und kapitalistischen Sehnsüchten weitet sich so von der Leinwand auf die Bühne aus.
Welche seltsame Beziehung haben wir zur Zukunft? Eine Frau träumt vom amerikanischen Kryptographen Hal Finney, eine grosse Wirtschaftskrise beeinträchtigt den Kryptowährungsmarkt, und Zehntausende von Menschen werden in Erwartung besserer Zeiten kryogenisiert. Sind sie in der Schwebe oder fallen sie ins Leere?
Like Moths to Light Gala Hernández López / Spanien/Frankreich/Italien 2026 / 26'28" / Farbe / Englisch / Exp/Doc/Fic
Eine Frau spricht zu uns aus dem Inneren einer Maschine, die ihre Gehirnaktivität aufzeichnet. Sie beschreibt ein mentales Labyrinth aus verschiedenen Elementen: ein alter Vergnügungspark namens Dreamland, Traumfotografien aus dem 19. Jahrhundert, zeitgenössische KI-Experimente zur mentalen Entschlüsselung sowie das Start-up Prophetic, dessen Ziel es ist, Träume zu kontrollieren. Doch was sehen unsere Träume, wenn sie auf uns zurückblicken? «Like Moths to Light» ist eine Reflexion über die Zukunft unserer Traumwelten im Zeitalter des Neurokapitalismus.
In dieser Live-Performance wird Filmemacherin Gala Hernández López ihre Recherchen und Material aus ihrem aktuellen Filmprojekt «The Possibility of an Island» – gedreht auf der Insel Margarita in Venezuela – vorstellen und kommentieren. Dabei wird sie ihre laufenden Untersuchungen zu CryptoCity vorstellen, einer Initiative, die die Entwicklung einer privat organisierten und hochgradig autonomen Stadt auf der Insel vorschlägt. Diese richtet sich in erster Linie an Deutsche, die vom europäischen Projekt desillusioniert sind, ist teilweise über eine DAO – eine dezentrale autonome Organisation – strukturiert und richtet sich an eine Gemeinschaft, die an alternativen Modellen der Regierung und sozialen Organisation interessiert ist. Die in dieser Session vorgestellten Filme bewegen sich zwischen dokumentarischer Untersuchung und spekulativen Vorstellungswelten. Sie erörtern, wie Ideen, die seit langem in der Fiktion, in technologischen Spekulationen und in der politischen Theorie kursieren, konkrete Gestalt annehmen können. Die Recherchen verfolgen die Entstehung konkreter Infrastrukturen, Organisationen, Finanzsysteme und neuer Regierungsexperimente rund um solche Ideen. Von der Kryonik über Traumtechnik bis zu privat verwalteten «freien Städten» untersucht die Session, wie Projekte, die einst mit spekulativen Zukunftsvisionen assoziiert wurden, zunehmend Teil unserer technologischen, wirtschaftlichen und politischen Realität werden.
Was, wenn die Zukunft bereits begonnen hat – nicht als Ereignis, sondern als Idee, die unser Handeln prägt? Gala Hernández López interessiert sich für Geschichten, Fantasien und Versprechen, die in digitalen Räumen zirkulieren und zunehmend in die materielle Welt zurückfliessen. Kryptowährungen, Incels, Selbstoptimierung, Kryonik oder die technologische Kontrolle unserer Träume mögen zunächst wie überspitzte Science-Fiction erscheinen. Doch wirklich unheimlich macht sie, dass sie bereits Teil unserer Gegenwart sind – Phänomene, die wir geschaffen haben, während wir noch von ihnen träumten.
Hernández López untersucht, wie Daten, Algorithmen und digitale Plattformen unsere Wünsche, Ängste und Vorstellungen von Erfolg zunehmend prägen. Algorithmen, Datenströme und Finanzmärkte sind keine abstrakten Systeme, die ausserhalb des Individuums existieren. Sie strukturieren Begierden und Ängste ebenso wie Vorstellungen von Erfolg, Liebe, Körper und Zukunft. Die Filmemacherin beschreibt die in Online-Communities produzierten Erzählungen als gemeinsame oder symptomatische Fiktionen: Geschichten, die etwas über den Zustand unserer Gesellschaft offenbaren und gleichzeitig beginnen, Realität zu erzeugen.
Diese Themen ziehen sich durch alle vier ihrer Filme: In «La Mécanique des fluides» führt die Suche nach einem Incel tief in die einsamen und frauenfeindlichen Bereiche des Internets. «For Here Am I Sitting in a Tin Can Far above the World», der 2024 am Berlinale Forum Expanded Premiere feierte, verbindet Kryptowährungen und Kryonik in einer Welt, in der sogar die Zukunft zur wirtschaftlichen Ressource wird. In «+10k», der 2025 an der Directors’ Fortnight in Cannes Premiere feierte, träumt ein 21-Jähriger von Miami, finanzieller Unabhängigkeit und einem monatlichen Einkommen von über 10 000 Euro – Wünsche, die zunehmend in Kennzahlen, Ranglisten und kalkulierte Sehnsüchte übersetzt werden. «Like Moths to Light», 2026 im Tiger-Shorts-Wettbewerb in Rotterdam uraufgeführt, thematisiert die technologische Kontrolle von Träumen und damit einem der letzten unerforschten Bereiche des Selbst. Die Filme wurden an zahlreichen weiteren Festivals und in Museen gezeigt (DOK Leipzig, IDFA, Clermont-Ferrand, Cinéma du Réel, IndieLisboa, Internationale Kurzfilmtage Winterthur, Berlinische Galerie, C/O Berlin und Palais de Tokyo).
Gala Hernández López bewegt sich bewusst zwischen Dokumentarfilm, Essayfilm, Installation und spekulativer Fiktion. YouTube-Videos, Screenshots, Archivmaterial, 3D-Bilder und ihr eigenes Filmmaterial werden aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst und neu kombiniert. Das Internet ist dabei nicht nur Thema ihrer Arbeit, sondern auch deren Material und Schauplatz. Ihre Filme fragen, wie Fantasien zu materiellen Infrastrukturen werden, wie Wünsche die Finanzmärkte beeinflussen und wie Zukunftsvisionen die Gegenwart prägen. Träumen wir noch von der Zukunft – oder haben die Systeme, in denen wir leben, bereits begonnen, für uns zu träumen?
John Canciani & Gala Hernández López
The Material Life of Fictions
Was passiert, wenn Zukunftsfantasien beginnen, die Gegenwart zu prägen? In «For Here Am I Sitting in a Tin Can Far above the World» verschmelzen Kryptowährungen und Kryonik zu einer spekulativen Welt, in der die Zukunft selbst zur wirtschaftlichen Ressource wird. «Like Moths to Light» dringt tief ins Innere und thematisiert Versuche, unsere Träume mithilfe von Technologie zu entschlüsseln, zu visualisieren und schliesslich zu kontrollieren. Gemeinsam ergründen die Filme ein Terrain zwischen Hoffnung und Angst, Science-Fiction und Dokumentarfilm, technologischem Versprechen und kapitalistischem Verlangen. Eine leinwandbasierte Performance, die mit Hernández López’ neuem Film «The Possibility of an Island» (erscheint 2027) verbunden ist, erweitert diese Fragen über die lineare Filmmontage hinaus. Was wir im Traum erschaffen, gehört vielleicht nicht mehr zu einer imaginären Zukunft: Es wird bereits Teil der Welt, in der wir leben.
Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur sind das bedeutendste Kurzfilmfestival der Schweiz. Jeden November verwandeln wir die Stadt Winterthur für sechs Tage in eine Kurzfilmmetropole.
An den Kurzfilmtagen gibt es für alle etwas zu entdecken: Wir zeigen sorgfältig zusammengestellte Kurzfilmprogramme zu aktuellen Geschehnissen oder zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen. Die Wettbewerbsblöcke fühlen den Puls des aktuellen, weltweiten Filmschaffens und die Installationen, Performances und weiteren Specials machen audiovisuelle Formen in ihrer ganzen Vielfalt erlebbar. Ein Rahmenprogramm mit Konzerten, Lesungen und mehr erweitert das Festivalerlebnis.
Das Programm der 30. Kurzfilmtage wird am 14. Oktober 2026 veröffentlicht.
Aktuelle Kurzfilme aus der ganzen Welt. Am Sonntagabend werden die vielversprechendsten Kurzfilme ausgezeichnet.
Hors Concours
Aktuelle Kurzfilme aus Zürich, der Schweiz und der Welt, die ausserhalb unserer Wettbewerbe laufen.
Fokus
Filmische Einblicke in eine Region, ein soziales Phänomen oder einen künstlerischen Trend.
Person im Fokus
Das künstlerische Wirken einer filmschaffenden Person wird ins Rampenlicht gestellt.
Spezialprogramme
Kurzfilmprogramme zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen – oder einfach Spass machen.
Familienprogramme
Kurzfilmgenuss für das junge Kinopublikum ab 6 Jahren und die ganze Familie.
Rahmenprogramm
Konzerte, Partys, Lesungen und zahlreiche weitere Events bieten Gelegenheit zur Vernetzung und erweitern das Festivalerlebnis.
Talks & Podien
Moderierte Talks und Panels, die nach der Vorstellung vertieften Einblick ins Filmschaffen oder in die Thematik geben.
Industry Events
Eine breite Palette an Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für die Filmbranche sowie Möglichkeiten zur Vernetzung.
Der Kurzfilm
Der Kurzfilm ist nicht einfach ein kürzerer Film. Er ist eine eigene Kunstform, die wir mit unserem Festival jährlich in den Fokus stellen.
Der Kurzfilm erscheint in allen Genres und kann unterschiedlich lang – oder eben kurz – sein. Einfachere Produktionswege machen es ihm möglich, den Zeitgeist und Strömungen rasch einzufangen und abzubilden. Der kurze Film kann unterhalten, überraschen, die Gesellschaft analysieren, eine politische Haltung einnehmen oder Einblick in uns fremde Welten geben.
Wir bündeln unsere Kurzfilme in thematischen Programmen oder nach bestimmten Sektionen, wie z.B. unsere Wettbewerbe, und stimmen die Filme und Reihenfolge aufeinander ab. Für den Kurzfilmgenuss gibt es somit nur eine Voraussetzung: die Neugierde, Neues zu entdecken und sich überraschen zu lassen.