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Zwischen Warten und Handeln, Standhaftigkeit und Subversion versammelt dieses Programm iranische Werke über das beharrliche Streben nach Freiheit. Mit dokumentarischer Dringlichkeit und künstlerischer Experimentierfreude erzählen die Filme von Menschen, die sich politischer Gewalt, staatlicher Kontrolle und dem Schweigen widersetzen. Sie zeigen Widerstand als gelebte Praxis – auf der Strasse ebenso wie im Privaten – und lassen die Tür offen für eine Zukunft, die nicht als entschieden hingenommen wird.
Hast du deine grauen Haare gezählt? Die Anzahl Häuser, die du besessen oder gemietet hast? Die Anzahl Küsse, die du ausgetauscht hast? Wie oft du in deinen Träumen geflogen bist? Vielleicht hast du nicht Buch geführt. In einem Leben, das über Zahlen hinausgeht, spielt das kaum eine Rolle.
And Me, I'm Dancing Too Mohammad Valizadegan / Iran/Tschechien/Deutschland 2023 / 20'33" / DCP / Farbe / Farsi / Fic/Doc
In fliessendem Rhythmus bewegt sich Sabas Körper zur Musik. Der Tanz ist ihr Leben – doch in ihrem eigenen Land kann sie sich nicht frei ausdrücken. Der Film tanzt der Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion entlang und zeichnet das bewegende Porträt einer Generation junger Iraner:innen, die von den starren Regeln der islamischen Republik eingeengt sind.
«Nazarbazi» («Das Spiel der Blicke») ist ein Film über Liebe und Begierde im iranischen Kino, wo Darstellungen von Intimität und körperlicher Nähe zwischen Frauen und Männern verboten sind. Der Film konzentriert sich auf Bilder von Frauen, deren Körper im post-revolutionären Kino ausradiert und geopfert wurden.
Die Website von Ali Khamenei, dem obersten Führer von Iran, ist vollgepackt mit gefilmten Predigten und Reden. As dem Exil in der Schweiz hat Saleh Kashefi sich dieses offizielle Archiv angeeignet und daraus eine politische Fiktion geschaffen, die zugleich schonungslos und vieldeutig ist. Wir werden zu Zeugen der letzten Momente des Diktators vor seinem Sturz, während ein Raunen durch die Strassen zieht.
Memories of a Window Mehraneh Salimian/Amin Pakparvar / Iran/Deutschland/USA 2026 / 19' / Farbe & Schwarz-Weiss / Persisch / Doc
Nach dem harten Vorgehen gegen Proteste in Iran beginnen Zivilist:innen, die Unruhen aus Innenräumen durch Fenster zu dokumentieren. Als eine Frau während der Aufnahmen angeschossen wird, erhält sie einen filmstudentischen Brief, der die Frage aufwirft: Kann hinter den Fenstern eine Revolution entstehen?
Bilder setzen einen Rahmen. Sie bestimmen, was sichtbar wird und was ausserhalb des Blickfeldes bleibt. Das gilt für Nachrichten ebenso wie für das Kino. Welche Perspektiven auf Iran gerahmt und welche Geschichten erzählt werden, was sichtbar wird, ist von historischen und politischen Kontexten abhängig.
Iran ist von tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt. In einem Jahrhundert hat das Land zwei Revolutionen erlebt: die Konstitutionelle Revolution von 1905/06 und die Islamische Revolution von 1979. Die Selbstermächtigung gesellschaftlicher Gruppen ist dabei ebenso prägend wie die wiederholte Einflussnahme durch imperiale und ideologische Kräfte. Die politische Lage des Landes und der Blick auf Iran haben sowohl das einheimische als auch das diasporische Filmschaffen nachhaltig geprägt.
Spätestens seit dem Frühjahr 2026 richtet sich der Blick der Welt erneut verstärkt auf Iran, während der Krieg das Land existenziell erschüttert. Das diesjährige Fokus-Programm Shifting Grounds – Framing Iran nimmt dies zum Anlass, eurozentrische Vorstellungen des Landes zu hinterfragen und den Blick für die Vielschichtigkeit von Irans Kino und Gesellschaft zu schärfen – eine Vielschichtigkeit, die sich einfachen Erklärungen entzieht.
Der Fokus auf iranisches Kino ist aus der Zusammenarbeit zwischen zwei Nicht-Iraner:innen und einer Iranerin entstanden. Dabei wird «iranisches Kino» nicht als feste Kategorie verstanden, sondern als eine Perspektive, die durch unterschiedliche Zuschreibungen, Kontexte und Erfahrungen geprägt ist. Fragen nach Produktionsbedingungen, Diaspora und nationaler Zugehörigkeit treffen auf die Auseinandersetzung mit westlichen Sehgewohnheiten und Erzählmustern. Was als iranisches Kino wahrgenommen wird, entsteht im Zusammenspiel von Festivalpraxis, Publikumserwartungen und filmischer Selbstrepräsentation. Diese unterschiedlichen Perspektiven und ihre Verflechtungen bilden den Ausgangspunkt der gemeinsamen Kuration.
Sechs Programme versammeln historische und zeitgenössische Arbeiten, die in Iran und der Diaspora entstanden sind, und verbinden unterschiedliche dokumentarische, fiktionale und experimentelle Formen. Sie führen von den Bildwelten des Öls zu Fragen von Identität und Selbstbestimmung jenseits gesellschaftlicher Normen, von Mythos und Wirklichkeit bis zu unterschiedlichen Formen des Widerstands. Ergänzt werden sie durch Werke der unabhängigen Filmbewegung Cinema-ye Azad aus den 1970er Jahren. Viele der Filme bewegen sich dabei zwischen Innen und Aussen – zwischen Landesgrenzen, realen Mauern und fiktiven Räumen ebenso wie den unsichtbaren Grenzen in den Köpfen der Menschen.
Nicht das Land selbst steht im Zentrum dieses Fokus, sondern die Frage, wie Iran gesehen, erzählt und imaginiert wird – und wie das Kino dazu beitragen kann, diese Bilder immer wieder neu zu rahmen.
Vincent Förster, Lynn Gerlach, Afsun Moshiry
Unfinished Futures
Zukunft nicht als Versprechen, sondern als immer neu zu erkämpfendes Gut: Zwischen Warten und Handeln, Standhaftigkeit und Subversion versammelt dieses Programm fiktionale, dokumentarische und essayistische Werke, die vom beharrlichen Drang nach Freiheit erzählen.
Die Filme richten ihren Blick auf politische Gewalt, den Einfluss von Religion und die Folgen staatlicher Kontrolle, die tief in die Privatsphäre eingreifen.
«Subtotals» versucht, Verlust anhand von Zahlen greifbar zu machen: Die Statistik des Lebens wird zum Gradmesser für Höhen und Tiefen. «And Me, I'm Dancing Too» ist ein feministischer Akt des Widerstandes, der tanzend die Stirn bietet. Auch «Nazarbazi» nähert sich dem Verbotenen. Aus Bildfragmenten der iranischen Filmgeschichte entsteht eine poetische Auseinandersetzung mit Begehren, Berührung und der Rückeroberung körperlicher Autonomie.
Aus Archivbildern, privaten Aufnahmen und Found Footage entstehen eindringliche Zeugnisse eines kollektiven Gedächtnisses. «And How Miserable Is the Home of Evil» deutet offizielle Aufnahmen von Irans Oberstem Führer Ali Khamenei zu einer Vision für das Ende der Tyrannei um. In «Memories of a Window» verwandelt anonymes Filmmaterial der brutalen Niederschlagung von Strassenprotesten den privaten Raum in einen politischen. Über jedem Bild scheint die Frage zu schweben: Kann eine Revolution auch hinter einem Fenster beginnen?
Ein Programm über Menschen, die sich weigern, die Zukunft als entschieden hinzunehmen, die den Raum des Möglichen offenhalten – und deren Ringen noch immer anhält.
Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur sind das bedeutendste Kurzfilmfestival der Schweiz. Jeden November verwandeln wir die Stadt Winterthur für sechs Tage in eine Kurzfilmmetropole.
An den Kurzfilmtagen gibt es für alle etwas zu entdecken: Wir zeigen sorgfältig zusammengestellte Kurzfilmprogramme zu aktuellen Geschehnissen oder zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen. Die Wettbewerbsblöcke fühlen den Puls des aktuellen, weltweiten Filmschaffens und die Installationen, Performances und weiteren Specials machen audiovisuelle Formen in ihrer ganzen Vielfalt erlebbar. Ein Rahmenprogramm mit Konzerten, Lesungen und mehr erweitert das Festivalerlebnis.
Das Programm der 30. Kurzfilmtage wird am 14. Oktober 2026 veröffentlicht.
Aktuelle Kurzfilme aus der ganzen Welt. Am Sonntagabend werden die vielversprechendsten Kurzfilme ausgezeichnet.
Hors Concours
Aktuelle Kurzfilme aus Zürich, der Schweiz und der Welt, die ausserhalb unserer Wettbewerbe laufen.
Fokus
Filmische Einblicke in eine Region, ein soziales Phänomen oder einen künstlerischen Trend.
Person im Fokus
Das künstlerische Wirken einer filmschaffenden Person wird ins Rampenlicht gestellt.
Spezialprogramme
Kurzfilmprogramme zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen – oder einfach Spass machen.
Familienprogramme
Kurzfilmgenuss für das junge Kinopublikum ab 6 Jahren und die ganze Familie.
Rahmenprogramm
Konzerte, Partys, Lesungen und zahlreiche weitere Events bieten Gelegenheit zur Vernetzung und erweitern das Festivalerlebnis.
Talks & Podien
Moderierte Talks und Panels, die nach der Vorstellung vertieften Einblick ins Filmschaffen oder in die Thematik geben.
Industry Events
Eine breite Palette an Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für die Filmbranche sowie Möglichkeiten zur Vernetzung.
Der Kurzfilm
Der Kurzfilm ist nicht einfach ein kürzerer Film. Er ist eine eigene Kunstform, die wir mit unserem Festival jährlich in den Fokus stellen.
Der Kurzfilm erscheint in allen Genres und kann unterschiedlich lang – oder eben kurz – sein. Einfachere Produktionswege machen es ihm möglich, den Zeitgeist und Strömungen rasch einzufangen und abzubilden. Der kurze Film kann unterhalten, überraschen, die Gesellschaft analysieren, eine politische Haltung einnehmen oder Einblick in uns fremde Welten geben.
Wir bündeln unsere Kurzfilme in thematischen Programmen oder nach bestimmten Sektionen, wie z.B. unsere Wettbewerbe, und stimmen die Filme und Reihenfolge aufeinander ab. Für den Kurzfilmgenuss gibt es somit nur eine Voraussetzung: die Neugierde, Neues zu entdecken und sich überraschen zu lassen.