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Zwischen privater Selbstbestimmung und öffentlicher Akzeptanz lädt dieses Programm dazu ein, Iran jenseits von Schlagzeilen und Klischees zu erleben. Mit feinem Gespür für die Widersprüche des Alltags erzählen die Filme von Menschen, die Regeln hinterfragen, Freiräume schaffen und ihren eigenen Vorstellungen von Leben, Liebe und Zugehörigkeit folgen. Mal berührend, mal verspielt, mal herausfordernd eröffnen sie überraschende Blickwinkel auf eine Gesellschaft im Wandel.
Ein trans Teenager namens Abraham wurde ermordet und in einer Höhle ausserhalb eines kleinen Dorfes verbrannt. Der Hauptverdächtige ist sein gläubiger Vater, der jeden Tag in einer kleinen Moschee betet.
Die jugendliche Amitis trägt stets ein kieferorthopädisches Gerät und steht unter dem ständigen Druck zahnärztlicher Behandlung. Doch plötzlich tut sie mit ihrer Freundin Sara etwas Seltsames.
Saaghi und ihre beiden Freundinnen sind in den grössten Park von Teheran gekommen, um das Jahrhundertereignis einer totalen Sonnenfinsternis zu fotografieren. Die hinterlistigen und rebellischen Jugendlichen stehlen ein Kamerastativ, belügen ihre Eltern und unterhalten sich über Jungs sowie eine bevorstehende Party. Ihre Streifzüge führen sie in einen abgelegenen Teil des Parks. Als die Sonne verschwindet, sieht Saaghi etwas, das besser verborgen geblieben wäre.
Heim und Familie, Beziehungen, Sehnsüchte, Wünsche und alles andere finden ihren Ausdruck in einer Küche. Der stotternde Junge ist dort ganz allein und spielt mit seiner Fantasie.
Mother Is a Natural Sinner Hoda Taheri/Boris Hadzija / Deutschland/Iran 2024 / 15' / Farbe / Farsi/Deutsch / Fic
Hoda, eine geflüchtete Iranerin, lebt mit ihrem Freund Hadi im Exil in Deutschland. Als sie unerwartet schwanger wird, beginnt Hoda, gängige Vorstellungen über Geschlechterrollen in Beziehungen zu hinterfragen und stellt die patriarchalischen Normen in Bezug auf weibliche Körper und Mutterschaft offen infrage.
Bilder setzen einen Rahmen. Sie bestimmen, was sichtbar wird und was ausserhalb des Blickfeldes bleibt. Das gilt für Nachrichten ebenso wie für das Kino. Welche Perspektiven auf Iran gerahmt und welche Geschichten erzählt werden, was sichtbar wird, ist von historischen und politischen Kontexten abhängig.
Iran ist von tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Veränderungen geprägt. In einem Jahrhundert hat das Land zwei Revolutionen erlebt: die Konstitutionelle Revolution von 1905/06 und die Islamische Revolution von 1979. Die Selbstermächtigung gesellschaftlicher Gruppen ist dabei ebenso prägend wie die wiederholte Einflussnahme durch imperiale und ideologische Kräfte. Die politische Lage des Landes und der Blick auf Iran haben sowohl das einheimische als auch das diasporische Filmschaffen nachhaltig geprägt.
Spätestens seit dem Frühjahr 2026 richtet sich der Blick der Welt erneut verstärkt auf Iran, während der Krieg das Land existenziell erschüttert. Das diesjährige Fokus-Programm Shifting Grounds – Framing Iran nimmt dies zum Anlass, eurozentrische Vorstellungen des Landes zu hinterfragen und den Blick für die Vielschichtigkeit von Irans Kino und Gesellschaft zu schärfen – eine Vielschichtigkeit, die sich einfachen Erklärungen entzieht.
Der Fokus auf iranisches Kino ist aus der Zusammenarbeit zwischen zwei Nicht-Iraner:innen und einer Iranerin entstanden. Dabei wird «iranisches Kino» nicht als feste Kategorie verstanden, sondern als eine Perspektive, die durch unterschiedliche Zuschreibungen, Kontexte und Erfahrungen geprägt ist. Fragen nach Produktionsbedingungen, Diaspora und nationaler Zugehörigkeit treffen auf die Auseinandersetzung mit westlichen Sehgewohnheiten und Erzählmustern. Was als iranisches Kino wahrgenommen wird, entsteht im Zusammenspiel von Festivalpraxis, Publikumserwartungen und filmischer Selbstrepräsentation. Diese unterschiedlichen Perspektiven und ihre Verflechtungen bilden den Ausgangspunkt der gemeinsamen Kuration.
Sechs Programme versammeln historische und zeitgenössische Arbeiten, die in Iran und der Diaspora entstanden sind, und verbinden unterschiedliche dokumentarische, fiktionale und experimentelle Formen. Sie führen von den Bildwelten des Öls zu Fragen von Identität und Selbstbestimmung jenseits gesellschaftlicher Normen, von Mythos und Wirklichkeit bis zu unterschiedlichen Formen des Widerstands. Ergänzt werden sie durch Werke der unabhängigen Filmbewegung Cinema-ye Azad aus den 1970er Jahren. Viele der Filme bewegen sich dabei zwischen Innen und Aussen – zwischen Landesgrenzen, realen Mauern und fiktiven Räumen ebenso wie den unsichtbaren Grenzen in den Köpfen der Menschen.
Nicht das Land selbst steht im Zentrum dieses Fokus, sondern die Frage, wie Iran gesehen, erzählt und imaginiert wird – und wie das Kino dazu beitragen kann, diese Bilder immer wieder neu zu rahmen.
Vincent Förster, Lynn Gerlach, Afsun Moshiry
Surfacing Realities
Dieses Programm richtet den Blick auf Menschen in Iran, die ihren Platz in einer von klaren Norman geprägten Gesellschaft behaupten. Zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre, Anpassung und Selbstbestimmung entstehen vielschichtige Erzählungen über Identität, Freiheit und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Die Filme erzählen von jungen und erwachsenen Menschen, die für Gleichstellung und Diversität und gegen politische Verfolgung kämpfen. Sie fragen, wer sichtbar sein darf, wer verschwinden muss – und welche Bilder überhaupt entstehen können.
«Gaze» verbindet ethische Fragen zum Hin- und Wegschauen mit der für Frauen alltäglichen Angst vor Übergriffen im öffentlichen Raum. In «Abraham» nimmt der Protagonist durch seine schmerzhafte Abwesenheit Raum ein. In «Solar Eclipse» gelangt eine verborgene Welt von Betrug und Verrat ungewollt ans Licht.
Auch der Animationsfilm «The Fourth Wall» spielt mit den Grenzen des Sichtbaren. Techniken und Räume vermischen sich ebenso wie die individuellen Sorgen der Familienmitglieder. Scherben erzählen von Gewalt und setzen sich doch zu etwas Neuem zusammen. In der diasporischen Arbeit «Mother Is a Natural Sinner» geraten erlernte Vorstellungen von Geschlechterrollen und Sexualität ins Wanken, während beiläufig Hühnchen zerteilt und Rohre geflickt werden.
Von Menschen, die so nicht sein dürfen, zu Bildern, die wir so nicht sehen sollten: Mal ernst, mal humorvoll, mal leise, mal rebellisch erzählen die Filme davon, dass Sichtbarkeit zu einem Akt des Widerstands werden kann.
Die Internationalen Kurzfilmtage Winterthur sind das bedeutendste Kurzfilmfestival der Schweiz. Jeden November verwandeln wir die Stadt Winterthur für sechs Tage in eine Kurzfilmmetropole.
An den Kurzfilmtagen gibt es für alle etwas zu entdecken: Wir zeigen sorgfältig zusammengestellte Kurzfilmprogramme zu aktuellen Geschehnissen oder zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen. Die Wettbewerbsblöcke fühlen den Puls des aktuellen, weltweiten Filmschaffens und die Installationen, Performances und weiteren Specials machen audiovisuelle Formen in ihrer ganzen Vielfalt erlebbar. Ein Rahmenprogramm mit Konzerten, Lesungen und mehr erweitert das Festivalerlebnis.
Das Programm der 30. Kurzfilmtage wird am 14. Oktober 2026 veröffentlicht.
Aktuelle Kurzfilme aus der ganzen Welt. Am Sonntagabend werden die vielversprechendsten Kurzfilme ausgezeichnet.
Hors Concours
Aktuelle Kurzfilme aus Zürich, der Schweiz und der Welt, die ausserhalb unserer Wettbewerbe laufen.
Fokus
Filmische Einblicke in eine Region, ein soziales Phänomen oder einen künstlerischen Trend.
Person im Fokus
Das künstlerische Wirken einer filmschaffenden Person wird ins Rampenlicht gestellt.
Spezialprogramme
Kurzfilmprogramme zu Themen, die unseren Kurator:innen unter den Nägeln brennen – oder einfach Spass machen.
Familienprogramme
Kurzfilmgenuss für das junge Kinopublikum ab 6 Jahren und die ganze Familie.
Rahmenprogramm
Konzerte, Partys, Lesungen und zahlreiche weitere Events bieten Gelegenheit zur Vernetzung und erweitern das Festivalerlebnis.
Talks & Podien
Moderierte Talks und Panels, die nach der Vorstellung vertieften Einblick ins Filmschaffen oder in die Thematik geben.
Industry Events
Eine breite Palette an Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen für die Filmbranche sowie Möglichkeiten zur Vernetzung.
Der Kurzfilm
Der Kurzfilm ist nicht einfach ein kürzerer Film. Er ist eine eigene Kunstform, die wir mit unserem Festival jährlich in den Fokus stellen.
Der Kurzfilm erscheint in allen Genres und kann unterschiedlich lang – oder eben kurz – sein. Einfachere Produktionswege machen es ihm möglich, den Zeitgeist und Strömungen rasch einzufangen und abzubilden. Der kurze Film kann unterhalten, überraschen, die Gesellschaft analysieren, eine politische Haltung einnehmen oder Einblick in uns fremde Welten geben.
Wir bündeln unsere Kurzfilme in thematischen Programmen oder nach bestimmten Sektionen, wie z.B. unsere Wettbewerbe, und stimmen die Filme und Reihenfolge aufeinander ab. Für den Kurzfilmgenuss gibt es somit nur eine Voraussetzung: die Neugierde, Neues zu entdecken und sich überraschen zu lassen.